6. August 2012 fra One Comment
Diesen Freitag endet Kitrazza – die Kindertraumzauberstadt. Ottokar-Autorin Franziska Büttner hat sich einen Vormittag reingeschmuggelt.
Gespannt und voller Vorfreude sitze ich auf einer der Wiesen zwischen Elbe und Elbepark. Ich blicke auf ein durch Bauzäune und Planen abgesperrtes Areal. Nicht die winzigste Lücke für einen kleinen Blick in die Kindertraumzauberstadt Kitrazza ist mir gegönnt.
Meine Neugier steigt.
Von links, von rechts, von hinten und von vorn strömen sie Richtung Eingang – die Kitrazzianer, Mädchen und Jungen im Alter von 7 bis 11. Ob zu Fuß, mit dem Fahrrad, dem Auto oder der Straßenbahn, hinter dem Traumzaubertor sind sie alle gleich.
Das 14-tägige Sommerferienangebot Kitrazza gibt es seit 2004. Veranstaltet und unterstützt wird es von der Projektschmiede Dresden. Die Anzahl der teilnehmenden Kinder ist seitdem von 70 auf 200 gestiegen. Hilfe bekommt die Projektschmiede von 50 freiwilligen Helfern. Im Zeitraum vom 23.7. bis zum 3.8.2012 stehen sie den Kindern mit Rat und Tat zur Seite. Kitrazza steht neben Kreativität, Freude und Spielerei auch für die Entwicklung von Aushandlungsprozessen, Mitbestimmung, Demokratieverständnis und Eigeninitiative.
Am Tor werde ich von der Kitrazzianerin Lea empfangen. Ohne sie darf ich die Stadt nicht betreten, denn Erwachsene sind hier nicht erlaubt. Die einzige Ausnahme sind die KiMa – die Kitrazza-Mitarbeiter. Lea erzählt mir alles über Kitrazza, während ich damit beschäftigt bin meine ersten Eindrücke zu verarbeiten – überall malende, hämmernde, tanzende oder schmiedende Kinder.
Mit schnellen Schritten und voller Tatendrang erreichen wir den Medienkontainer, Leas Arbeitsplatz und gleichzeitig Entstehungsort von Zeitung und Radio. Hier, so sagt sie, fühlt sie sich am wohlsten und verbringt die meiste Zeit. Die Vielzahl der technischen Gräte fasziniert sie. Ratz-fatz habe ich selbst ein Diktiergerät vor meiner Nase und werde von zwei 11 jährigen Mädchen – Antonia und Katharina – vom KITRAZZA-Radio interviewt: „Wer sind Sie und was machen Sie hier? „Welchen Beruf üben sie aus?“ „Was gefällt Ihnen an KITRAZZA am meisten?“ „Wie lange wollen Sie heute bleiben?“
Puhh, jetzt weiß ich, wie sich die Kinder fühlen müssen, wenn Reporter hier ohne Kontrolle ein- und ausgehen und Fragen stellen.
Mir fällt auf, dass Lea und die beiden Mädchen ein gelbes Band um ihren Hals tragen. Ich frage nach der Bedeutung. Jede Farbe steht für einen „Pfad“, welchem bestimmte Aufgaben und Tätigkeiten zugeteilt sind.
Gelb steht für „Kommunikation“ und schließt die Arbeit mit und an Medien ein – Zeitungen schreiben, eine Radiosendung gestalten, fotografieren, filmen oder herumführen von Reportern.
Das blaue Band ist Symbol für Körper und Seele. „Leise Handwerke“ wie Essen kochen, Waffeln backen, malen, erste Hilfe oder Korb flechten zählen hierzu. Diese Tätigkeiten sind auf verschieden Zelte unterteilt, die nebeneinander aufgebaut sind. So entdecke ich zwischen dem Nähzelt und dem Sportzelt auch eine Ruheoase mit großen, weichen Kissen, Decken, Büchern und Zeitschriften.
Gebohrt, geschmiedet, gesägt und gehämmert wird beim roten Pfad, der alle „lauten Handwerke“ umfasst. Unsere nächste Station.
Ein paar mal bleibt mir das Herz in der Hose stecken – ein Junge, ein Bohrer, viele Bretter, er ist allein! Gleich neben ihm steht ein Mädchen mit der Säge in der Hand und passt das Holz ihren Wünschen an.
Aus Fantasie und Kreativität der Kinder entstehen hier selbstgebaute Familienhäuser, ein Kino, ein Theater oder auch ein Restaurant. Ganz selbstverständlich marschiert ein 7-jähriger Junge zu einem Baukontainer und greift mit Hilfe eines KiMa nach Wasserwaage, Nägeln und Hammer. Vertrauen in die Fähigkeiten der Kinder wird an diesem Ort groß geschrieben.
Ein weiches Stupsen reißt mich aus meinem Staunen. Ein Schmiedefeuer, Lea will es mir unbedingt zeigen. Fünf Jungs mit Arbeitsschürze und Schmiedewerkzeug hören einem KiMa gewissenhaft zu. Er erklärt ihnen den Umgang mit Feuer und Werkzeug. Das lasse ich mir nicht entgehen.
Das Hufeisen ist geschmiedet, Lea führt mich weiter – vorbei an Küche und Waffelgeruch. Es folgt das Erste-Hilfe-Zelt, das Näh- und Schneiderzelt, bis wir zum Korbflechten gelangen. Lea sagt Tschüß und gibt mich an Silvan weiter. Er solle sich um mich kümmern.
Binnen weniger Sekunden habe ich einen Korb in der Hand und soll mich setzten. Eine ausführliche Einweisung in die Kunst des Korbflechtens und los geht es. Stake nass machen, ansetzen und flechten, Stake nass machen, ansetzen und – nach ein paar Minuten verliere ich die Lust. Ich bewundere die Begeisterung und das Durchhaltevermögen der Kinder.
Mittlerweile ist es kurz nach 12 Uhr, das Mittag steht vor der Tür und ich muss leider gehen. Silvan begleitet mich zurück zum Traumzaubertor.
Dies wird nicht mein letzter und einziger Tag in Kitrazza gewesen sein. Helfende Hände werden sicherlich auch 2013 gebraucht. Franziska Büttner
Ein wunderschöner Text über eine wunderschöne Stadt. Danke Franziska. Danke Kitrazza!