„Macht? Schule. Bildung!“ – Aktionsbündnis zum Schulnetzplan 2012

Screenshot: www.macht-schule-bildung.de

Am 11.10.2011 veröffentlichte die Stadt Dresden den Entwurf zum Schulnetzplan 2012. Und schnell machte sich Frust unter den Betroffenen breit: Frust der auch zu Tatendrang führte. Bereits am 13.10.2011 gründete sich die Initiative „Macht?Schule.Bildung!“. Das Aktionsbündnis – bestehend aus Schülern und Lehrkräften des Berufsschulzentrums (BSZ) Agrarwirtschaft Altroßthal und des BSZ Dienstleistung und Gestaltung, dem Stadtschülerrat Dresden und Elternvertretern – will gegen den Entwurf des Schulnetzplanes vorgehen. Ihren Protestweg begleitet ein gleichnamiges Blog.

Wir haben uns mit Andreas Tietze, Organisationsgruppenmitglied des Aktionsbündnisses getroffen, über die Initiative, das Blog und erste Erfolge gesprochen. Andreas Tietze (SPD) war lange Zeit selber Schülervertreter und ist seit einem Jahr Berater des Stadtschülerrates. Er arbeitet derzeit im sächsischen Landtag und in der Landeszentrale für politische Bildung.

OTTOKAR: Das Motto „Macht? Schule Bildung!“ klingt ja wie eine Anspielung auf den Stadtslogan „Schule macht Bildung.“ Ist das Absicht?

Andreas Tietze: Nein, mit der Stadt hat es wenig zu tun. Tatsächlich lässt das Motto gerade mit seinen unterschiedlichen Satzzeichen Raum für Interpretationen. Wer hat „Macht“? – deshalb „Macht“ mit Fragezeichen. „Schule“ als gesetzt und daher mit Punkt. Und „Bildung“ mit Ausrufezeichen, da es das Thema ist, worum es geht. Uns war es wichtig, dass „Schule“ und „Bildung“ als zentrale Themen dastehen. Und wir sehen den Bildungsstandort Dresden als gefährdet.

OTTOKAR: Deshalb habt Ihr Eure Initiative ins Leben gerufen.

Andreas Tietze: Ja, ursprünglich wurde das Aktionsbündnis gegen den Schulnetzplan gegründet. Mittlerweile ist das oberste Ziel die Überarbeitung des Schulnetzplanes. Die Zukunft der Bildung in Dresden soll so gesichert und verbessert werden.

OTTOKAR: Wo seht Ihr die größten Probleme des Schulnetzplans?

Andreas Tietze: Der Schulnetzplan gefährdet den Bildungsstandort Dresden in Gänze und basiert zu allem Überfluss auf falschen Zahlen. Wir sehen drei Hauptprobleme:

  1. Im Grundschulbereich gibt es ein riesiges Platzproblem. Der Klassenteiler soll von 25 auf 28 erhöht werden. Die meisten Räume an Grundschulen sind dafür aber gar nicht ausgelegt. Die Zügigkeit der Schulen soll zudem erhöht werden. Baulich funktioniert dies aber gar nicht. Abhilfe schaffen sollen Erweiterungsbauten oder Container. Wir meinen das ist nicht sinnvoll. Ein weiteres Problem ist die Neugründung von Grundschulen in vollkommen ungeeigneten Gebäuden. Wir sind für den Erhalt des Klassenteilers von 25, trotz nötiger Neubaumaßnahmen. Der Neubau von Schulen muss so schnell wie möglich beginnen, trotz der hohen Kosten. Denn Überkapazitäten kommen schon in den nächsten zwei Jahren.
  2. Es gibt einen enormen Sanierungsstau, den es zu beseitigen gilt. Bei allen Schultypen finden sich teilweise katastrophale, bauliche Bedingungen. Schimmel im Nachbarraum oder feuchte Keller sind schließlich keine Lernbedingungen. Wir wollen die Schüler in die Diskussion um Sanierung und Neubau mit integrieren. Die Sanierung ist teilweise auch nicht bedarfsgerecht. Wir sind für die Absenkung der Sanierungsmaßstäbe, etwa eine Lockerung des Denkmalschutzes, um Kosten zu sparen, die dann wiederrum für andere Schulen genutzt werden können.
  3. Durch die Verlagerung der Berufsschulzentren verlagert man gleichzeitig Innovativstandorte. Wir fordern: keine Verlagerung der Berufsschulzentren ins Umland. Unsere Alternativvorschläge lauten: Konzentration des BSZ Agrarwirtschaft in Altroßtal und damit die Erhaltung des BSZ Dienstleistung und Gestaltung und Verhinderung von Änderungen im BSZ Bau und Technik.

OTTOKAR: Ihr habt auch ein Web-Blog ins Leben gerufen. Wozu dient das Blog?

Andreas Tietze: Wir informieren im Blog über den Schulnetzplan und seine Entwicklungen und über unsere Veranstaltungen und Aktionen. Außerdem wollen wir die Stimmung der Dresdnerinnen und Dresdner widergeben. Wir informieren aus Schülersicht, denn für viele ist das über 500 Seiten lange Konstrukt zu verstaubt und zu kompliziert. Aber es geht eben nicht um eine rein formale Sache, sondern um Schülerinnen und Schüler, um Bildungslebensläufe, die mit dem Schulnetzplan in Grund und Boden gerissen werden können. Mit unseren Aktionen, persönlichen Gesprächen und dem Blog wollen wir die Auswirkungen des Schulnetzplans auf eine einfache Art verdeutlichen. Als weitere Plattform nutzen wir Facebook. Dort koordiniert sich die Organisationsgruppe und dort werden auch die meisten Informationen zusammen getragen. Außerdem verschicken wir seit Neuestem auch einen Newsletter, der alles zusammenfasst.

Andreas Tietze

OTTOKAR: Was habt Ihr denn schon für Aktionen unternommen und was ist weiterhin geplant?

Andreas Tietze: Bisher gab es zwei große Demonstrationen mit jeweils rund 600 Teilnehmern, eine Nachhilfestunde im Rathaus – „Wie organisiere ich die Schulnetzplanung richtig – einen Kreativ-Kreidemal-Flashmop. Und die medial erfolgreichste Aktion zu Nikolaus, bei der es Kohle und Ruten für das Rathaus gab.

Am 11.01.2012 um 15.30Uhr planen wir unter dem Motto “Planlos zum Schulnetzplan 2.0″ eine Aktion auf dem Dresdner Altmarkt. Darüber hinaus wird es am 18. Januar zur Mittagszeit an allen Dresdner Berufsschulen und weiteren allgemeinbildenden Schulen zu Aktionen kommen. Grundtenor aller Aktionen wird das symbolische Besetzen der Schulgebäude während der Mittagspause sein. Damit soll auf die teils katastrophalen Zustände in den Schulgebäuden hingewiesen  und gegen die Verlagerung von Berufsschulstandorte ins Dresdner Umland protestiert werden.

OTTOKAR: Könnt Ihr erste Erfolge verbuchen?

Andreas Tietze: Ja! Die Verwaltung hat erkannt, dass die zugrundeliegenden Zahlen falsch waren. Man sieht die Bedarfe der Schulen mittlerweile viel realistischer. Anstatt des Neubaus von zwei Gymnasien gehen Schätzungen nun von bis zu vier neuen Gymnasien aus. Trotzdem weiß man bisher nur, dass die neuen Zahlen in den überarbeiteten Schulnetzplan einfließen. Wie das konkret aussieht, ist fraglich. Außerdem haben wir aus dem Stadtrat erfahren, dass man mit der Methode liebäugelt, den Bereich Berufsschulzentren aus dem überarbeiteten Schulnetzplan auszusondern um ihn ein Jahr später zu verabschieden. In dem Zusammenhang berät man sich mit den Kreisen Meißen und Sächsische Schweiz, ob eine Auslagerung der BSZ notwendig ist. Und der Abstimmungstermin für den überarbeiteten Schulnetzplan wurde in das zweite Quartal 2012 verschoben.

OTTOKAR: Vielen Dank für das Interview.

 

Weitere Informationen und Möglichkeiten zur Unterstützung finden Sie hier.

Tags:

0 Kommentare

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Kommentieren





Trackbacks

Author:

Meine Seite