Eine Notlösung: der Dresdner Schulnetzplan 2012 (Update!)
Bürgermeister Winfried Lehmann hat heute (12.10.11) den Schulnetzplan 2012 der Öffentlichkeit vorgestellt und für viel Unmut bei den Betroffenen gesorgt. Wir haben uns mal mit den Einzelheiten auseinandergesetzt und mit Erschrecken festgestellt, wo das eigentliche Problem liegt: In Dresden gibt es zu viele Kinder! So groß die Freude über den Status als Geburtenhauptstadt Deutschlands ist: irgendwann muss jedes Baby eben auch mal die Schulbank drücken. Schon jetzt sind die Dresdner Schulen voll ausgelastet. In ein paar Jahren platzen sie aus allen Nähten.
Ein Zustand, dem man jetzt erst Rechnung trägt. Das Ergebnis ist der Schulnetzplan 2012 – ein Notfahrplan, um kurzfristig eine Lösung zu finden – in vielen Punkten auf dem Rücken der Schüler.
Zu den wichtigsten Maßnahmen des Schulnetzplans 2012 zählen:
- Erhöhung der Klassenstärke: Schon heute ächzen die Lehrer unter zu vielen Schülern in den Klassen. Zukünftig sollen die Stühle bis auf den letzten Platz belegt werden. Schüler, die dann ein Schuljahr wiederholen, müssen aus Platzmangel mit einem Schulwechsel rechnen.
- Berufsschulen werden verdrängt: Um mehr Platz für die allgemeinbildenden Schulen (Grundschulen, Mittelschulen, Gymnasien, Förderschulen) zu haben, werden Berufsschulen geschlossen, zusammengelegt oder müssen umziehen. Für die Berufsschüler bedeutet das nicht selten das Lernen im Umland und damit weitere Schulwege.
- Alte Schulen sollen erweitert, neue Schulen gebaut werden: Klingt gut, ist aber nicht so einfach. Für viele der angedachten Neubauprojekte fehlen im Moment noch die nötigen Grundstücke. Diese zu finden ist erfahrungsgemäß auch nicht so einfach. Sollten die Gebäude nicht rechtzeitig fertig werden, sieht der Schulnetzplan die Unterbringung in Containern vor – kein angemessener Platz zum Lernen.
- Ganztagsangebote müssen sich hinten anstellen: Umso viele Kinder wie möglich unterzubringen, müssen nahezu alle Räume der Dresdner Schulen für den klassischen Unterricht herhalten. Nicht ohne Folgen: Horträume sollen notfalls bis auf einen Raum pro Zug eingestampft werden. Ganztagsangebote fallen bei räumlichen Engpässen komplett hinten runter.
- Wiederöffnung bereits geschlossener Schulen: Schulen, die schon vor Jahren dicht gemacht wurden, sollen nun wiederbelebt werden. Bei noch bestehender Betriebserlaubnis ist die Wiedereröffnung relativ problemlos. Doch in der Regel sind die Schulen unsaniert und in einem schlechten Zustand.
Damit stehen sie aber nicht allein. Ein Großteil der Dresdner Schulgebäude muss saniert werden. Bis heute hatte Dresden dafür zusätzliche Investitionsmittel in Höhe von 150 Millionen Euro. Diese sollten bis 2015 investiert werden, um in Dresdner Schulen und Kitas klar Schiff zu machen. Im Rahmen der Präsentation des Schulnetzplans 2012 hat Bürgermeister Lehmann erklärt, dass dies nun nicht mehr möglich ist.
Der Schulnetzplan 2012 klingt auf den ersten Blick wie eine Hiobsbotschaft für das Dresdner Bildungswesen. Doch noch ist nix entschieden. Der Schulnetzplan 2012 durchläuft vorab noch diverse Gremien. Ab Anfang November wird auch in den Schulkonferenzen der Kreise über den Schulnetzplan 2012 beraten. Alle Eltern und Schüler sind aufgerufen, können und sollten hier mitreden. Informieren Sie sich am besten bei Ihrer Schule, wann und wo die Schulkonferenz ist.
Bis Anfang Januar geht der Schulnetzplan 2012 durch Ausschüsse, Orstbeiräte und Ortschaftsräte. Das letzte Wort hat der Stadtrat. Auch dort ist eine hitzige Debatte zu erwarten.
Erste Reaktionen gibt es vor allem von Seiten der Opposition:
Gerit Thomas, schulpolitische Sprecherin der GRÜNEN im Stadtrat:
„Das vorliegende Werk ist eine Bankrotterklärung auch für den Wissenschafts- und Wirtschaftstandort Dresden“
Eva-Maria Stange, bildungspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion und Abgeordnete des Dresdner Westens:
„Die Schule ist ein Ort, in dem die Kinder dieser Stadt gebildet werden sollen und nicht geparkt wie in einem viel zu kleinem, baufälligem Parkhaus. Aber genau diesen Eindruck vermittelt die vorgelegte Planung und vermittelt damit den Charme eines hilflosen Krisenszenarios.“
Im ersten Quartal des kommenden Jahres fällt die Entscheidung über den Schulnetzplan 2012. Dann soll zumindest für den räumlichen Engpass eine Lösung gefunden sein. Doch der parallel wachsende Lehrermangel ist damit aber noch nicht vom Tisch.
Den kompletten Schulnetzplan 2012 zum Nachlesen gibt es unter:
www.dresden.de/de/03/030/Schulnetzplanung.php
Update: 13.10.2011, 14Uhr
Der Dresdner Schulnetzplan 2012 schlägt auch in sozialen Netzwerken hohe Wellen. Dienstagnachmittag –wenige Stunden nachdem Bürgermeister Lehmann den Schulnetzplan der Öffentlichkeit präsentierte- gründeten Schüler des BSZ die Facebook-Gruppe „Gegen den Dresdner Schulnetzplan“.
In der Gruppenbeschreibung heißt es:
„Wir sind gegen den konfusen Plan des Schulbürgermeisters Winfried Lehmann und werden das der Stadt deutlich zeigen.“
Noch am selben Abend hatte die Gruppe über 100 Mitglieder, mittlerweile sind es über 230 Leute. (Stand: 13.10.2011, 14 Uhr). In zahlreichen Beiträgen informieren sie sich über Statements von Oppositionsparteien, Medienberichte und Handlungsmöglichkeiten. Vorläufiger Höhepunkt ihrer Gespräche: Eine für heute angesetzte Demo zum Rathaus (Treff: 13.10.2011, 15Uhr vor dem Kugelhaus). Ganze Schulen werden erwartet.
Und auch die CDU-Fraktion im Stadtrat will über Facebook ins Gespräch kommen. Am Mittwoch erstellte sie die Fan-Seite „Schulnetzplan Dresden“.
In der Beschreibung heißt es:
„Diese Gemeinschaftsseite dient als Plattform für Diskussionen zum neuen Schulnetzplan Dresden.“
19 Personen gefällt das. (Stand: 13.10.2011, 14 Uhr) Die Diskussionen halten sich deshalb noch in Grenzen. Schade eigentlich. Denn gerade hier bietet sich ja eine gute Gelegenheit, kritische Fragen zu stellen und eigene Meinungen zu äußern.
Im Bereich der sozialen Netzwerke sind die Gegner des Schulnetzplans 2012 momentan erfolgreicher. Ob ihre „Kein-Kontakt-mit-dem-Feind-Methode“ die richtige ist, ist eine andere Frage.
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